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Museu do Carro Eléctrico

Das Strassenbahn Museum in Porto, Portugal

Jeden Tag, sogar jede einzelne Betriebsstunde, werden die drei rüstigen Straßenbahnen mit ihrer eigenen Musealität konfrontiert: Auf ihrem Weg aus dem Zentrum in die Vorstadt, am Douro entlang bis zur Küste, halten sie jedes Mal vor dem Depot. Da ruhen ihre Geschwister, abgeschoben, auf ewig festgesetzt – während sie selbst, die letzten drei Straßenbahnen des Baujahres 1928, noch herumfahren dürfen.













Ein weiteres Memento mori ist der Schriftzug über dem Depot. Zum Hundertsten der elektrischen Straßenbahn von Porto wurde dort 1995 das Museu do Carro Eléctrico eingerichtet. Im Jahr zuvor war das einstige Streckennetz auf eineinhalb Wege zusammengeschrumpft. Die letzte Linie aber muss bleiben. Denn die hiesige Bahn ist noch älter als die berühmte in Lissabon. Und das gibt nicht nur Punkte im ewigen Städteduell, sondern weckt auch unser besonderes Interesse: Kann man denn überhaupt noch netter dahinzuckeln als über Lissabons sieben Hügel









25 Minuten dauert die einfache Fahrt von der Haltestelle Infanta bis zum Passeio Alegre in Meeresnähe. Von jenseits des Douro leuchten die Lagerhäuser der Portwein-Produzenten in der Sonne, diesseits ziehen schmal hochgezogene Häuschen vorbei, auf deren Balkonen neben der Wäsche FC-Porto-Banner flattern. Der Bus nebenan auf der Straße legt die gleiche Strecke schneller zurück. Nur zu Stauzeiten kommen die alten E-Waggons noch immer zügiger voran als aller übrige Verkehr.












Natürlich befindet sich die Inneneinrichtung in einwandfreiem Zustand. Die gepolsterten Sitzbänke sind mit geflochtenem Bast bezogen, die dunkle Holztäfelung ist frisch poliert, die Halteriemen sind noch (oder wieder?) aus echtem Leder. Mit der Generation Graffiti scheint die aufgehübschte Bahn noch keine Bekanntschaft gemacht zu haben. Doch in einer Ecke hängt, fein gerahmt, eine Liste mit den Preisen sämtlicher Glasscheiben aus, den Mutwilligen zur Warnung. Bruch steht allerdings nicht zu befürchten. Denn wer wollte schon ausfällig werden gegen die gute alte Zeit?









Erstaunlich, wie einen das Vorvergangene gleich anheimelt, selbst dort, wo man es nicht einmal mit der eigenen Kindheit verknüpfen kann. Aber man wundert sich noch über etwas anderes. Der Einfühlung tritt unvermittelt eine merkwürdige Entfremdung gegenüber. Wenn man durchs fahrbare Museum nach draußen sieht, empfindet man plötzlich für eine kleine Weile die Gegenwart neu: Mensch, die ganzen Autos! Und wie die drängeln! Und wie die Menschen rumlaufen! Was ist nur geschehen?












Die Irritation führt zu einem seltsam zweigleisigen Blick. Mit einem Mal fallen uns mehr Zeitsprünge ins Auge als zuvor. Zwischen verrammelten Lagerschuppen hängt Designermode aus. Neben rostenden Schiffsrümpfen hat eine High-Tech-Cafetería aufgemacht, mit knallbunten Retro-Sitzsäcken. Vor der Fahrt zurück schlendern wir bis ans Meer hinaus und lesen auf dem Messingschild des Nachtclubs Twins: Mindestverzehr 250 Euro. An der Mole sitzen Trauben älterer Männer beim Kartenspiel; jede ausgespielte Karte wird gleich mit einem flachen Stein bedeckt, damit der Wind sie nicht wegbläst. Wir denken an die Drohformel vom »Europa der zwei Geschwindigkeiten«. Hier fährt man mit beiden.









Auf dem Rückweg stromern wir kurz durch das Straßenbahnmuseum und lesen auf einer alten Mahntafel für Fahrer: »Befördern Sie stets so, wie es Ihnen gefiele, selbst befördert zu werden!« Kant für Kondukteure, das ist Tram-Kultur, die nie ausgemustert werden sollte. Einstweilen lassen wir die Mahnung jedoch im Raum stehen und fahren zurück in die Innenstadt, der berühmten Douro-Brücke von Gustave Eiffel entgegen. Mitunter steht die Straßenbahn ganz still und scheint nur tief Luft zu holen. Dann schnarrt und braust sie wieder, als wollte sie partout beweisen, dass sie noch nicht zum alten Eisen gehört.












Sie gehört zum alten Eisen. Und eben deswegen wird sie weiterfahren. Das ist der Tourismus der zwei Geschwindigkeiten.


















Die alten Straßenbahnen verkehren auf der Linie 1 E. Die Strecke führt von der Rua do Infante Dom Henrique bis in die Vorstadt Foz. Ein Einzelticket kostet 1,30 Euro. Für 2 Euro bekommt man ein Vierstundenticket, das auch den Eintritt ins Museu do Carro Eléctrico umschließt.

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wo weitere historische Vehikel zu betrachten sind.
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